Die Refertilisation kann helfen

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Nicht nur Frauen sind von dem sich nicht einstellenden Kinderwunsch betroffen. gerade Männer, die sich trotz Sterilisation nun doch pro Zuwachs entscheiden stehen vor dem Problem. Hier kann aber die sog. Refertilisation helfen.

Wir sprachen mit den Experten der Urologie der PAN Klinik in Köln über dieses Thema.

Wie wird eine Sterilisation beim Mann rückgängig gemacht?

Bei der Sterilisation des Mannes (=Vasektomie) wird aus dem Samenleiter ein kurzes Teilstück entfernt und die Enden verschlossen. Diese nach Jahren vernarbten Enden des Samenleiters werden bei der Refertilisierung entfernt. Danach bleibt ein Lücke“ von unterschiedlicher Länge. Ziel ist es, diese Lücke zu überbrücken und eine erneute spannungsfreie Verbindung (eine sog. „Anastomose“) zu schaffen, durch welche die Spermien wieder ungehindert wandern können.

In der Regel wird dies mit einer Vaso-Vasostomie, der erneuten Verbindung beider Samenleiterenden, erreicht. Manchmal muss auch der hodenferne Samenleiteranteil wie eine Art „Bypass“ mit den Nebenhodenkanälchen direkt verbunden werden (Tubulo- Vasostomie).

Wie erfolgreich ist die Refertilisierung?

Erfahrung mit dieser mikrochirurgischen Technik vorausgesetzt, lassen sich nach Refertilisation durch Vasovasostomie Durchgängigkeitsraten des Samenleiters von 80- 90% zu erzielen. 50% der Paare werden daraufhin schwanger. Die Mehrzahl dieser Schwangerschaften werden zwischen 12 und 24 Monaten nach der Operation erzielt. Nach einer beidseitigen Tubulovasostomie betragen die Durchgängigkeitsraten 65-70%, die („natürlichen“) Schwangerschaftsraten etwa 30-40%.

Besteht eine alternative Behandlungsmöglichkeit?

Statt der aufwendigen mikrochirurgischen Rekonstruktion kann man Samenzellen auch operativ direkt aus dem Hoden gewinnen (=TESE) und anschließend einfrieren, um sie später für eine oder mehrere „künstliche“ Befruchtungen zu verwenden. Gewinnt man Spermien direkt aus dem Nebenhodenkanälchen, spricht man von einer MESA. Mit operativ gewonnenen Spermien ist eine Schwangerschaft nur in Verbindung mit einer Reagenzglasbefruchtung, der sog. ICSI zu erzielen. Die Erfolgsquote liegt dann bei ca. 35-40 % pro Behandlungszyklus. Schwangerschaftserfolge nach Refertilisation sind von vielen Faktoren abhängig. Schlechtere Schwangerschaftsergebnisse der „ICSI“, die Notwendigkeit einer vorherigen Hormonbehandlung der Frau, und nicht zuletzt die zwei- bis dreimal höheren Kosten der in vitro Fertilisierung durch „ICSI“ machen die Refertilisierung (=operative Neuverbindung der Samenleiter) zur Behandlung der ersten Wahl bei Kinderwunsch nach Sterilisation. Dieses Verfahren ist außerdem der natürlichen Empfängnis am ähnlichsten.

Kann man bei mir eine Refertilisierung durchführen?

Es ist es sehr selten, dass eine Sterilisation nicht rückgängig gemacht werden kann. Seit der Entwicklung von standardisierten mikrochirurgischen Operationsmethoden in den 70-er Jahren und vor allem nach Entwicklung der Tubulo-Vasostomie in Fällen mit einem Verschluss im Nebenhoden sind auch nach sehr langen Verschlusszeiten oder langen Verschlussstrecken noch erfolgreiche Neuverbindungen möglich.

Habe ich noch Samenzellen nach meiner Sterilisation?

Die Hodenfunktion wir durch eine Sterilisation nicht beeinflusst. Auch mehr als 15 Jahren nach einer Sterilisation produziert der Hoden weiter Samenzellen. Der limitierende Faktor für den Erfolg der Refertilisation liegt nicht so sehr im Hoden, sondern eher im Zustand des Nebenhodens. Durch Stauung können in der hauchdünnen Wand des Nebenhodenkanälchens im unteren Abschnitt winzige Risse entstehen, die zu Vernarbungen und zu einem Verschluss führen. Das Risiko einer solchen Vernarbung nimmt mit der Zeit nach Sterilisation zu. Auch scheinen diese sekundären Verschlüsse öfter aufzutreten bei einem kurzen Samenleiterstumpf vor dem Nebenhoden (also bei einer sehr „tiefen“ Vasektomie). Ein erfahrener Operateur kann diese Situation jedoch leicht erkennen und mit einer sog. Nebenhodenverbindung oder Tubulo-Vasostomie doch noch eine durchgängige Verbindung herstellen.

Bezahlt meine Krankenversicherung die Refertilisation?

Gesetzlichen Krankenversicherung zahlen für Beratung, Diagnostik und Behandlung bei Kinderwunsch nach einer Sterilisation, also die Refertilisation NICHT! Eine Überweisung oder Praxisgebühr ist nicht notwendig. Private Krankenversicherungen zahlen eventuell für Beratungen und Untersuchungen bei unerfülltem Kinderwunsch, meistens aber nicht für die Operation. Der Umfang der Kostenübernahme sollte mit Ihrer Versicherung im Vorfeld geklärt werden. Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage einen Kostenplan zu.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/ultraschall-r%C3%B6ntgenbild-krankenhaus-509396/

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